Netzwerk für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Würde und Unversehrtheit

Network for Equality, Self-Determination, Dignity & Integrity


Projektreise nach Tanzania vom 31.10.2013 bis 18.11.2013

Wir sind von unserer Projektreise aus Tanzania zurück und haben viel Positives zu berichten.

Gleich am ersten Tag hatten wir unsere Mädchen, die in der Umgebung von Arusha und Moshi zur Schule gehen zum Lunch ins Uhuru Hotel in Moshi eingeladen. Für die Mädchen war das etwas Außergewöhnliches und wir hatten viel Spaß zusammen und auch gute Gespräche um ihre Zukunftspläne. Alle Mädchen wollen weiterhin zur Schule gehen und einen Beruf ergreifen. Einige möchten sogar in den Schulferien Computerkurse belegen. Sie sind sehr ehrgeizig, motiviert und zukunftsorientiert.

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Es gab eine großzügige Spende an alle Mädchen: je eine Armbanduhr und 1 Koffer. Die Freude bei der Übergabe war natürlich riesig.

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Honoratha (Nafgem), Malkia Laizer
v.li n. re: Ngais Kordoni, Leah Melayek, Nagal Terito, Ndajiri Samoiit

Am anderen Tag fuhren wir in unser Projektgebiet im Simanjiro-Distrikt. In Orkesumet haben wir unser Schutzhaus für Mädchen besichtigt. Es ist fast fertig. Es fehlt noch der Fußboden im großen Raum.

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Ein Zaun gegen wilde Tiere wird gerade gebaut, eine Solaranlage wurde in Arusha letzte Woche gekauft und aufgebaut. Jetzt gibt es also auch Strom. Es fehlt nur noch Wasser. Es wird noch in Lastwagen gebracht und in einen Tank auf dem Gelände gefüllt.

Das Daycare-Center Lekrimuni wird jetzt tagsüber auch als Schule genutzt. Auch hier wurde ein Zaun zum Schutz vor wilden Tieren gebaut. Jetzt treffen sich hier regelmäßig Frauen und Mädchen. Eine Gruppe verwaltet die Kleinkredite. Jeder zahlt Geld auf Zinsbasis für Existenzgründunge: Hühnerzucht, Heilkräuteranbau und –Verkauf, Perlen auffädeln für Maasaischmuck etc.

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Die ersten Betten für schutzsuchende Mädchen sind schon aufgestellt. Es fehlt noch Geld für Matratzen, Bettwäsche etc.

Beide Schutzhäuser für Mädchen wurden mit Bedacht in diesen abgelegenen Gegenden gebaut, weil dort die Mädchen leben, die diesen Schutz brauchen, weil sie wissen, dass es dort diese Häuser gibt. Sie kämen nie in die Stadt um dort Schutz zu suchen.

In den folgenden Tagen haben wir unsere Mädchen in den Schulen besucht, in denen sie untergebracht wurden. Wir haben mit den Mädchen und den Lehrerinnen und Direktorinnen gesprochen. Ich war sehr beeindruckt über das, was die über unsere Mädchen berichtet haben. Sie seien durchweg motiviert und lernten fleißig. Unsere Großen, Ruth und Suzanna haben ihre Examina gemacht. Für Ruth heißt das jetzt: 3 Monate Computerkurs in Moshi und anschließend zurück zur Schule in die „Advanced Studies“. Das sind die beiden letzten Jahre vor dem Abitur.

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v.li. n. re: Direktorin, Doris Schindler, Ruth, Honoratha
Ruth


Suzana hat ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen und möchte anschließend ihr Diplom machen. Das gibt ihr bessere Berufschancen. Und auch sie will jetzt in den Ferien einen Computerkurs machen. Ein Laptop wurde ihr gesponsert und sie ist sehr stolz darauf.

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Suzana mit Laptop
mit Uhr und Koffer

Mit in unserer Gruppe war Dr. O’Dey von der Uni Aachen und hat sich mit seinen Rekonstruktionstechniken an beschnittenen Frauen schon einen Namen gemacht. Er ist mit uns gereist um den tansanischen Ärzten im großen KCMC-Hospital in Moshi seine Methode zu demonstrieren. Leider konnte er das nicht am OP-Tisch weil die Bürokratie eine Zulassung als Arzt in Tanzania erforderte aber er konnte etwa 70 interessierten Ärzten in einer Power-Point-Demonstration seine Technik und Methode vermitteln. Die Ärztinnen und Ärzte waren sehr interessiert und haben eifrig Notizen gemacht, denn auch ihnen war klar dass die Beschneidungspraxis vor einer Wende steht.

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PD Dr. Dan mon O’Dey bei der Power-Point-Demonstration im KCMC–Hospital in Moshi

Dr. O’Dey hat jede Gelegenheit genutzt, um nicht nur Ärzten, sondern auch betroffenen Frauen mithilfe von Power-Point auf dem Handy die Rekonstruktion zu erklären und die Frauen waren sehr interessiert.

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Auch wir konnten beobachten, dass in Gegenden, in denen die Aufklärung durch unsere Partnerorganisation NAFGEM schon länger regelmäßig praktiziert wird, inzwischen immer mehr Menschen nicht mehr bereit waren, ihre Kinder beschneiden zu lassen. Stattdessen wollen sie, dass sie zur Schule gehen und einen Beruf erlernen.

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In anderen Gegenden, in denen NAFGEM noch nicht so lange aktiv ist, besteht die Mehrheit noch auf der Beschneidung, was die Mädchen zwischen den Stühlen sitzen lässt. Diejenigen, die aus dem Gebiet kommen, in dem man mit der Beschneidung mehr und mehr aufhört, werden als „beschnittene Mädchen“ in die Ecke gedrängt. Die jungen Männer dort wollen keine beschnittenen Mädchen heiraten. Umgekehrt ist es im anderen – noch nicht so gut aufgeklärten Gebiet.

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Da bringt Dr. O’Dey mit der Rekonstruktionstechnik einen Ausweg. Natürlich nicht nur aus diesen Gründen sondern vor allem, weil beschnittene Mädchen und Frauen oft ein Leben lang leiden müssen: Durch die Verstümmelung haben sie Probleme beim Gebären, es kommt oft zu Totgeburten, es kommt zu lebensgefährlichen Infektionen, oft dauert das Urinieren eine halbe Stunde, das Menstruieren 2 Wochen. Die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind oft unerträglich. Alle möglichen Folgeerkrankungen beeinträchtigen das Leben dieser Frauen, nicht erwähnt die seelischen Wunden.

Deshalb wollen wir auch Gelder für die Operationen der am schlimmsten betroffenen Frauen sammeln und hoffen, dass es Dr. O’Dey wie geplant gelingt, öfter nach Tanzania zu fahren und demnächst auch am OP-Tisch seine Technik vielen Ärzten zu vermitteln.

Wir möchten uns nochmal herzlich bei Ihnen bedanken für die Hilfe, die Sie unseren Mädchen geben. Wir wünschen Ihnen geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.


Das NESDI-Reise-Team Freiburg, 12.12.2013


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NESDI e.V. Volksbank Freiburg, BIC: GENODE61FR1, IBAN: DE22680900000026329604